Mittwoch, 26. April 2017

Datong – das hängende Kloster

Spaßbefreit aber sicher, hat sich mein Reiseleiter entschieden mit dem Taxi zum 70 km entfernten Kloster zu fahren. (220,-- Yuan = 33,-- Euro hin und retour mit warten)
Der Verkehr ist in der Stadt etwas sonderbar. Die Regeln undurchsichtig bis undurchschaubar. Der größere und stärkere hat Vorrang. Die LKWs, besonders auf der Landstraße, machen was sie wollen, sie sind die Chefs der Straße. Sie überholen bergauf in einer uneinsichtigen Kurve, sie fahren vom haltenden Zustand ohne blinken weg, das Überholmanöver wird gestartet auch wenn ein PKW in der Gegenrichtung fährt. Unser Taxifahrer musste zwei Mal stehen bleiben um das Manöver des LKWs abzuwarten und auch zu hoffen, dass er unsere vordere linke Seite nicht rammt. Beim dritten Stillstand dieser Art fuhren zwei Autos hinter uns zusammen.
Wird eine Straße gequert heißt es hupen, Augen zu und durch. Irgendjemand wird aufpassen. Vielleicht der Dickbauchbuddha.
Insgesamt habe ich in drei Wochen Verkehrsbeobachtung, mit heute, vier Unfälle gesehen.

Lebend beim hängenden Kloster angekommen. Auf dürren Stelzen balancierten kleine Tempelhallen und Pavillons an einer überhängenden Felswand. Der Anblick des Bauwerks in der Schlucht war sicherlich vor dem Staudammbau spektakulärer. Ich habe sehr lange gerätselt, wie ein solches Bauwerk zustande gebracht worden ist 600 n.Chr. Herr Zhang hat sich als einziger Baumeister bereit erklärt, sich über dieses Bauvorhaben zu stürzen. Teile der Bauten wurden erstellt, auf den Berg getragen und dann von Oben mit Seilen an die gewünschten Stellen gebracht. Die Arbeiter sollen eine Seilschlaufe an der Taille und eine an einem Bein gehabt haben. Es steht nicht, wie viele während der Bauzeit gestorben sind. Alle mal eine tolle Leistung Herr Zhang. Sie haben sich ein Denkmal gesetzt.


















Der Taxifahrer chauffiert die Piepmatz-Gruppe wieder sicher ins Hotel. Xiexie. Er hat uns für den nächsten Tag gebucht und bringt uns zum Flughafen.

Ich würde gerne die Sprache begreifen. Es gibt kein Alphabet. Es gibt Silben und Hauptwörter und neue Zusammensetzungen ergeben eine neue Bedeutung. Eine Frau und ein Kind ergeben zusammen das Zeichen für „gut“. Zwei Bäume stehen für Wald. Zwei Frauen ergeben „Streit“. Ein Baum und ein Elefant ergeben „Eiche“. Das Wort Hubschrauber setzt sich zusammen aus „gerade / hochsteigen / Flug / Maschine“.
Deklinationen, Artikel, Zeitabwandlungen und andere Grammatikregeln existieren nicht. Eine sehr leichte Sprache. Oder? Das erste Zeichenlexikon aus dem Jahre 121 n.Chr. umfasste knapp 10.000 Zeichen, 1162 waren es bereits 25.000 Zeichen. Ein heutiges Großlexika umfasst um die 60.000 Zeichen, 5.000 davon werden sehr oft benutzt und mit 3.500 Zeichen ist das Zeitung lesen möglich. Doch keine leichte Sprache. Oder?
Während der Schulzeit werden unentwegt Schriftzeichen gelernt, für Kreativität und Selbständigkeit bleibt keine Zeit.
Nach der Revolution 1949 sollte das Volk lesen und schreiben können und es wurde eine Vereinfachung der Schriftzeichen vorgenommen.
Die Dialekte sind so ausgeprägt, dass sich die Chinesen untereinander nicht verstehen müssen. ABER das Zeichen, also die Schrift, ist für alle gleich. Es wird aufgeschrieben und sei es nur im Handinneren mit dem Finger gezeigt.

2 Kommentare:

  1. Unvorstellbare zustände auf der Straße, für uns europäer.ist das ja nicht vorstellbar.
    Schade dass sie hiervon bzw. von den schon mehrmals erwähnten Meschenmassen auf Bahnhöfen keine Fotos noch bereitgestellt haben hier im Blog.
    Ich wünsche noch eine schöne interessante Reise und erwarte schon ihren nächsten Bericht gespannt. MfG Hans T.

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  2. Ich erlebe auch oft Straßen, z.B. zu Flughäfen, die 3 Spuren haben und keine Autos zu sehen sind. Wie eine Vorbereitung auf einen Ansturm. Schön Sie auf meiner Blogseite zu finden. Flonie

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